Midsommar i Stockholms Skärgården

NEU: Das dazugehörige Video!

Jeder, der zur Sonnenwende einmal in Schweden oder in Skandinavien war, kennt die Magie, die sich dann über die Landschaft legt. Wenn Tag und Nacht nicht mehr klar von einander abgrenzbar sind, die Uhrzeit nur noch ein Zahl auf der Armbanduhr ist und man folglich jegliches Zeitgefühl verliert, dann erfährt man eine ungeahnte Leichtigkeit und Freiheit. Durch die ständige Helligkeit verliert man zudem das Gefühl für Müdigkeit und Erschöpfung und man beginnt die Tage in vollen Zügen auszukosten. Genau dieses Gefühl verleiht den Schweden eine unbeschreibliche Lebensfreude, wie wir sie aus Astrid Lindgrens Erzählungen kennen.

Zu meiner großen Überaschung hat sich daran nicht viel geändert! Jung und alt, Familie, Freunde und Fremde feiern, tanzen, singen, essen und trinken gemeinsam im Freien. Raus aus der Stadt, raus aus dem Stress, dem Alltag und rein in den Schärengarten – das ist ein Motto für viele Stockholmer, gleich ob sie ein eine Gartenlaube, eine Stuga, ein Haus oder eine Lieblingsanlegestelle für ihr Boot besitzen. Während die Stadt ganz den Touristen gehört, tummeln sich abertausende Stockholmer auf den insgesamt 30.000 Inseln.

Da wir weder Häuschen noch Boot besitzen, mussten Zelte und Kajaks genügen. Nachdem Proviant gefasst und gepackkt war, ging es mit dem Bus zum Kajakverleih und von dortaus auf dem Seeweg nach Gällnö, Lådna, Möja und Grinda. Geradewegs in Richtung Sonne. Glücklicherweise spielt das Wetter mit und wir erreichen bei strahlendem Sonnenschein Gällnö. Bei einer Kaffepause erzählt man uns von dem Fest am nächsten Tag und lädt uns ein, die Midsommarstånge, ähnlich dem Maibaum, zu schmücken und aufzustellen 🙂

Während die Männer darauf warten bis der Baum fertig mit Blumen geschmückt ist, trinkt man fleißig Snapps und singt dazu schwedische Trinklieder, wie das Helan går:

Helan går, sjung hoppfaderallanlallanlej!!
Helan går, sjung hoppfaderallanlej!!
Och den som inte helan tar, han heller inte halvan får!!
Helan går (Man(n) kippt den Schnapps runter)sjung hoppfaderallanlej!

Dann wird das Schmuckstück mit reiner Muskelkraft in die Höhe gehieft. Sobald die Midsommarstånge steht, beginnen Frauen und Mädchen die Kränze zu binden, die man dann während der Feier auf dem Kopf trägt.

Eigentlich sollten diese nur von Schwedinnen getragen werden, doch wie man sieht, stehen sie auch Italienern sehr gut 🙂

Bevor die eigentliche Feier losgeht, gibt es traditionell ein Picknick, bestehend aus Senapssill, jungen Kartoffel und… Snapps. Zum Glück hatten wir vorher schon alles besorgt und mischen uns unter die Schweden, wo wir komsicherweise nicht auffallen. Wenig später betritt die Musikkapelle den Rasen und stellt sich um die Midsommarstånge und im selben Moment stürmen die Leute herbei – ganz so, als hätten sie seit Monaten darauf gewartet.  Als die Musik zu spielen beginnt, haben schon etwa hundert Mädchen und Jungs jeden Alters einen Kreis gebildet und fangen an zu tanzen. Dass es sich dabei um Kinderlieder handelt, stört niemanden. Ganz im Gegenteil: es scheint fast so, als würden die Älteren wieder zu Kindern werden. Es hat etwas Zeitloses an sich, etwas Nostalgisches.

Als später die Musik zu spielen aufhört beginnen viele den Platz zum Spielen zu nutzen. Kinder tollen herum, während andere Brännboll (eine vereinfachte Version des amerikanischen Baseballs) spielen oder sich mit Alltagsgegenständen beschäftigen. Daraus ergeben sich enorm lustige Spiele wie Gummistiefel-über-den-Rücken-Zielwerfen oder Äpfel-mit-dem-Mund-aus-Putzeimern-angeln.

Wo man hinsieht sieht man strahlende Gesichter und lachende Menschen, ein wunderschönes Gefühl, mittendrin dabei zu sein. Spätabends löst sich das Geschehen am Festplatz auf und die Leute kehren hungrig auf ihre Boote oder in ihre Stugas zurück. Da wir mit unseren Kajaks auf zum båtfolk gehören, packen wir unsere Kajaks und paddeln zwei Stunden lang durch die Gegend, beobachten kleine und große Grillfeiern und Parties auf den zahlreichen Inseln, bis wir schließlich ein kleines, unbesetztes Eiland in der Nähe von Lådna entdecken.

Wir machen uns ein großes Lagerfeuer, grillen und versuchen die Mückenscharen von uns fernzuhalten, die sich am Midsommarafton ebenfalls auf ein Festmahl freuen. Der unendlich langsame Sonnenuntergang ist ein wahres Naturschauspiel. Wir setzen uns auf den Felsen und lassen die Szenerie bei einem kühlen Dosenbier auf uns wirken.

Müde geht’s irgendwann in’s Bett. Wann lässt sich schwer sagen, es war jedenfalls hell 🙂 Das Wetter ist fantastisch, sodass ich beschließe, mich mit meiner Isomatte auf den Felsen zu legen und mit der Aussicht auf’s Wasser einzuschlafen.

Ein Glück, dass wir noch drei Tage vor uns haben…

Ich habe mit meiner EOS und der GoPro noch jede Menge Videos gemacht, die ich im Laufe der Woche wieder zu einem Filmchen zusammenschneide. Ich lade ihn dann bei Vimeo hoch und poste den Link hier…Also gelegentlich reinschaun und/oder sich über Facebook auf dem Laufenden halten 😉

http://www.facebook.com/pages/Kesselflicker-Photography/280903608649397

And thanks to my buddy Joe for taking a few shots of me 😉

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2 Gedanken zu “Midsommar i Stockholms Skärgården

  1. Sehr gut geschrieben und tolle Bilder. Hoffe, dass ich es auch irgendwann
    mal erleben darf. Gruß Gaby

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